Bertrand Russell

Bertrand Arthur William Russell (Trellech, Wales, 18. Mai 1872 – Penrhyndeudraeth, Wales, 2. Februar 1970) war ein britischer Philosoph, Mathematiker, Logiker, Essayist und Sozialkritiker; er zählt zu den Begründern der analytischen Philosophie und zu den einflussreichsten Intellektuellen des 20. Jahrhunderts. Er stammte aus einer aristokratischen Familie und studierte an der Universität Cambridge, wo er später Philosophie und Mathematik lehrte. Seine intellektuelle Entwicklung war geprägt von dem Bestreben, philosophische Probleme durch die logische Analyse von Sprache und Denken zu klären.
Gemeinsam mit Alfred North Whitehead verfasste er das monumentale Werk Principia Mathematica (1910–1913), in dem er versuchte, die Grundlagen der Mathematik aus logischen Prinzipien abzuleiten. In seinen Schriften The Principles of Mathematics (1903), The Problems of Philosophy (1912) und Our Knowledge of the External World (1914) untersuchte er das Verhältnis zwischen Logik, Erkenntnis und Wirklichkeit. Seine Theorie der Kennzeichnungen sowie die Entdeckung der Russellschen Antinomie übten einen maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung der modernen Logik und der Sprachphilosophie aus.
Zu seinen bedeutenderen Werken zählen Introduction to Mathematical Philosophy (1919), The Analysis of Mind (1921), The Analysis of Matter (1927), Marriage and Morals (1929), The Conquest of Happiness (1930), Power: A New Social Analysis (1938), An Inquiry into Meaning and Truth (1940), A History of Western Philosophy (1945) sowie Human Knowledge: Its Scope and Limits (1948). In seinem Essay Why I Am Not a Christian (1927) setzte er sich kritisch mit religiösen Überzeugungen und deren gesellschaftlicher Rolle auseinander.
Russell trat für Gedankenfreiheit, Pazifismus, soziale Reformen und Menschenrechte ein. Aufgrund seiner Ablehnung des Ersten Weltkriegs verlor er seine Lehrtätigkeit in Cambridge und wurde 1918 inhaftiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg engagierte er sich besonders gegen die nukleare Aufrüstung; so war er maßgeblich am Zustandekommen des Russell-Einstein-Manifests (1955) sowie an der Entstehung der internationalen Friedensbewegung beteiligt.
Im Jahr 1950 wurde er mit dem Nobelpreis für Literatur für sein vielfältiges Gesamtwerk ausgezeichnet, in dem er sich für humanitäre Ideale und Gedankenfreiheit einsetzte. Sein Vermächtnis – eine Verbindung aus mathematischer Strenge, philosophischem Skeptizismus, britischem Humor und gesellschaftlicher Verantwortung – hat die zeitgenössische Philosophie, die Logik sowie den öffentlichen intellektuellen Diskurs tiefgreifend geprägt.