
Andrićev skriveni teatar
Das neueste und umfassendste Werk von Almir Bašović (1972), einem der führenden bosnisch-herzegowinischen Literaturtheoretiker der jüngeren Generation, ist der dramaturgischen Struktur von Andrićs Opus gewidmet.
Das Buch entwickelt die These, dass Andrićs Erzählkunst eigentlich „Theater in Prosa“ ist – dass die Romane und Kurzgeschichten nach den Regeln des klassischen und modernen Dramas aufgebaut sind, nur eben ohne Regieanweisungen.
Bašović analysiert detailliert:
– „Die Brücke über die Drina“ als elfaktiges Epos, in dem die Brücke als permanente Bühnenkulisse und historische Ereignisse als Lichtveränderungen dargestellt werden; – „Die Chronik von Travnik“ als dreiteiliges Drama mit den Konsuln als klassischen Antagonisten und Davila als „Regisseur“; – „Der verfluchte Hof“ als vollkommene fünfaktige Tragödie; – die Erzählungen „Jelena, die Frau, die es nicht gibt“, „Zeko“, „Žeđ“ und „Most na Žepi“ als monodramatische Formen und „Tableau vivant“.
Neu gegenüber der ersten Auflage (2014) sind die Kapitel über Andrićs unveröffentlichte Stücke aus dem Manuskriptnachlass („Tod in Sinans Tekke“, „Gospodjica“ – Fragmente) sowie die Analyse von „Zeichen am Wegesrand“ als Sammlung von „Bühnenminiaturen“.
Bašović greift auf zeitgenössische Theatrologie (Brecht, Peter Brook, Jerzy Grotowski) zurück und zeigt, wie Andrić das absurde und postdramatische Theater vorwegnimmt. Das Buch ist reich an Schemata, Aktübersichten und Vergleichen mit Shakespeare, Tschechow und Beckett.
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