
Rječnik tijela
Dieses Buch ist natürlich kein Körperlexikon. Wahre Wörterbücher sind komplexe, von mehreren Autoren verfasste, fast lexikographische Werke von mindestens tausend Seiten, ausgestattet mit einem multidisziplinären theoretischen Apparat und unterstützt durc
Der Titel dieses Buches sollte offensichtlich in einem anderen, vielleicht engeren Sinne verstanden werden: Er entstand durch Schreiben, Nachdenken und das Erzählen von Konzepten im Zusammenhang mit dem Körper, wie Berührung, Anziehung, Abstoßung, Alter, Krankheit, Vergewaltigung und Selbstzerstörung. Diese Konzepte tauchten nicht isoliert als theoretische Fragebögen auf, sondern ergaben sich aus der Lektüre zeitgenössischer kroatischer und internationaler Prosa – einer Lektüre, die ihrerseits weitere Analysen und Interpretationen erforderte. Ein möglicher Untertitel dieser Studie hätte lauten sollen: Funktionale Transformationen des Körpers in der zeitgenössischen Literatur. Dieser mögliche Untertitel – funktionale Transformationen – bedarf einer einleitenden Erläuterung. Der Begriff „Funktion“ wird hier einerseits verwendet, um die grundlegende Bipolarität von Subjekt und Objekt (Körper als Subjekt und Körper als Objekt) zu vermeiden, und andererseits als die Funktion des Körpers, d. h. wie die Funktionen des Körpers ihn in seiner Vielfalt und Varietät in der zeitgenössischen Gesellschaft prägen. Weit jenseits der klassischen und traditionellen philosophischen Fragen nach dem Verhältnis von Körper und Seele sind heute seelenlose Körper der primäre Ort der Funktionalisierung des menschlichen Subjekts. Körper werden also durch ihren Gebrauch definiert, selbst wenn sie nicht als Mittel oder Objekt positioniert sind. Eine gewisse Funktionalisierung des Subjekts ist somit die grundlegende Prämisse des zeitgenössischen Umgangs mit dem Körper – wie soziologische Erkenntnisse über die Repräsentation des Körpers in heutigen sozialen Strukturen (soziale Bräuche, Konventionen, Verhaltensregeln, Mediendarstellung) nahelegen. Am deutlichsten wird die Funktionalisierung des Körpers vielleicht im Sport, wo er zur Maschine wird, deren individuelle Fähigkeiten maximal entwickelt werden – die Funktion der Bewegung zur maximalen Laufgeschwindigkeit, die Funktion des Sprungs zur maximalen Sprunghöhe. Insgesamt lässt sich für die heutige westliche Gesellschaft sagen, dass das gesellschaftliche Gesundheitsbewusstsein in eine gewaltsame Medikalisierung des Physischen umgeschlagen ist, in der ein gesunder Körper ein sozialer und wirtschaftlicher Nutzen und kein Selbstzweck mehr ist. Wir müssen gesund sein, um unsere sozialen Funktionen besser erfüllen und somit finanziell zur Gesellschaft beitragen zu können. Im Alter und bei Krankheit werden wir der Gesellschaft zur Last, wir verursachen Kosten. Denselben Effekt hat die Ästhetisierung des Körpers, die sich in Systemen wie der Mode- und Kosmetikindustrie zeigt. Hier wird der Körper, insbesondere der weibliche, nicht nur standardisiert, sondern auch normiert, und das Erreichen dieser Norm (wie im Sport) wird mit gesellschaftlichem Erfolg gleichgesetzt. Die ästhetische Chirurgie, die Medizinisierung und Ästhetisierung des Körpers vereint, ist das Endergebnis dieses Prozesses. Dessen theoretisch weitreichende Konsequenzen werden in bioethischen Fragen analysiert: Was macht ein Subjekt zum Subjekt? Und wann (nach wie vielen und welchen Eingriffen, etwa genetischen Eingriffen und bionischen Implantaten) verändert das Subjekt seine Identität als Körper? Wann verliert der Körper seine Identität?
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