
Sabrana dela 12: Paviljon žena
Der Roman „Der Pavillon der Frauen“ (1946) zählt zu Pearl S. Bucks intimsten und subtilsten Erzählungen. Er spielt in der alten, wohlhabenden chinesischen Familie Wu, in den Jahren unmittelbar vor der japanischen Invasion.
An ihrem vierzigsten Geburtstag trifft die schöne, würdevolle und außergewöhnlich fähige Madame Wu eine Entscheidung, die das gesamte Haus erschüttern wird: Nach 24 Jahren Ehe und der Geburt ihrer Söhne zieht sie sich aus dem Ehegemach zurück. Ruhig und entschieden teilt sie ihrem Mann mit, dass sie keine körperliche Intimität mehr wünscht und wählt für ihn eine junge, einfache Konkubine aus dem Dorf – Perlenblüte –, die ihre ehelichen Pflichten übernehmen soll.
Diese scheinbar kleine Veränderung löst eine Lawine aus. Das prächtige Haus der Familie Wu, in dem über sechzig Familienmitglieder, Bedienstete und Verwandte in einem gemeinsamen Pavillonkomplex leben, beginnt zu zerfallen. Söhne und ihre Frauen rebellieren, alte Traditionen werden aufgebrochen, und die zuvor perfekt geordnete Welt des traditionellen chinesischen Adels gerät in eine Krise.
Befreit von den täglichen Pflichten von Ehe und Haushalt hat Madame Wu zum ersten Mal in ihrem Leben Zeit für sich. Sie beginnt, verbotene Bücher zu lesen, Englisch zu lernen und über das Leben, die Liebe, die Pflicht und den Sinn des Daseins nachzudenken. Die Schlüsselfigur ihrer Wandlung wird Bruder Andre, ein exkommunizierter italienischer Priester – ein freigeistiger, tiefgründiger und humaner Mann, der ihr neue Perspektiven auf Liebe, Glauben und menschliche Freiheit eröffnet.
Mit dem Wandel der Familienstruktur erkennt Madame Wu allmählich, dass sie ihr ganzes Leben aus Pflichtgefühl gelebt hat, nie aus wahrer Liebe. Ihre Reise zu innerer Freiheit und wahrer Liebe (die unerwartet und spät kommt) bildet den Kern des Romans.
Buck schildert hier meisterhaft das Leben in einem großen chinesischen Haushalt – Hierarchie, Rituale, Intrigen zwischen Frauen, Beziehungen zwischen Müttern und Söhnen, rivalisierende Ehefrauen – und hinterfragt subtil die traditionellen Rollen der Frau, die Pflichtheirat und die Möglichkeit der persönlichen Wiedergeburt inmitten eines starren patriarchalischen Systems.
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