
Subjektivnost i istina: Predavanja na Collège de France, 1980.–1981.
Foucault untersucht, wie in der Antike Subjektivität und Wahrheit durch die Beziehung zum Körper, zu Vergnügungen und zur Selbstfürsorge miteinander verbunden waren und wie sich diese Verbindung allmählich hin zum christlichen Modell der Beichte wandelte.
Subjektivität und Wahrheit ist eines von Foucaults wichtigsten Spätwerken, das er 1980/81 als Vorlesung am Collège de France hielt. Darin verlagert Foucault den Fokus von Macht und Wissen auf die Frage, wie sich das westliche Subjekt historisch in Bezug auf die Wahrheit geformt hat.
Dieser Kurs markiert eine bedeutende Wende in Foucaults Denken. Anstatt moderne Kontrollmechanismen zu analysieren, taucht er tief in das antike Griechenland und Rom ein, insbesondere in die hellenistische und römische Zeit. Er untersucht, wie die Menschen damals sexuelle Lust (Aphrodisie), Ehe, den Körper und Selbstfürsorge erlebten und wie diese Bereiche als Räume für die Herausbildung des ethischen Subjekts dienten. Foucault zeigt, dass die antike Philosophie und Medizin nicht bloß Theorien waren, sondern praktische Rahmenbedingungen, innerhalb derer das Individuum an sich selbst arbeitete – seine Begierden lenkte, seinen Körper beherrschte und nach der Wahrheit über seine eigene Existenz suchte.
Das Buch enthüllt die allmähliche Transformation dieser alten Praktiken hin zu dem, was später zur christlichen Seelensorge und zur Hermeneutik des Subjekts werden sollte. Foucault zeichnet subtil nach, wie sich das Verhältnis zum Selbst und zur Wahrheit über die Jahrhunderte veränderte und damit den Boden für die spätere westliche Konzeption von Sexualität und Innenleben bereitete.
Der Vortrag ist gehaltvoll, präzise und reich an historischen Bezügen, zugleich aber fließend und inspirierend. Das Werk schlägt eine wichtige Brücke zwischen Foucaults früheren Machtanalysen und seiner späteren Ethik des Subjekts. Es ist eine unverzichtbare Lektüre, um zu verstehen, wie die westliche Kultur die Idee des Selbst durch das Verhältnis zu Körper, Begehren und Wahrheit konstruierte.
In der kroatischen Übersetzung von 2019 wurde das Buch einem breiteren Publikum zugänglich gemacht und schnell als eines der verständlichsten und bedeutendsten Spätwerke Foucaults anerkannt.
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