
Agostino
Der dreizehnjährige Agostino verbringt den Sommer mit seiner schönen, verwitweten Mutter am Meer. Als sie ihrem Geliebten näherkommt, fühlt sich der Junge zurückgewiesen und schließt sich einer Gruppe rauer Jungen aus der Gegend an, um Rache zu nehmen und
Agostino ist eine Kurzgeschichte von Albert Moravia, die 1942 geschrieben und 1944 veröffentlicht wurde. Aufgrund ihrer provokanten Thematik wurde sie von faschistischen Zensoren verboten, entwickelte sich aber nach ihrer Veröffentlichung zu einem großen Erfolg und brachte dem Autor seinen ersten Literaturpreis ein.
Die Geschichte spielt während eines Sommerurlaubs an der toskanischen Küste. Der dreizehnjährige Agostino, ein Junge aus wohlhabender Familie, verbringt idyllische Tage mit seiner verwitweten Mutter – sie rudern zusammen, schwimmen und genießen ihre Nähe. Seine Mutter ist für ihn ein Idealbild: schön, würdevoll und ihm vollkommen ergeben. Doch alles ändert sich, als sie beginnt, den jungen, selbstbewussten Renzo zu treffen. Agostino fühlt sich plötzlich vernachlässigt, eifersüchtig und betrogen. Er beginnt zu begreifen, dass seine Mutter nicht nur eine Mutter ist, sondern auch eine Frau mit eigenen Wünschen und eigener Sexualität.
Auf der Suche nach Trost und Rache, und im Bestreben, seine Männlichkeit zu beweisen, nähert sich Agostino einer Gruppe armer, rauer Jungen aus der Gegend und ihrem Anführer, der zweifelhaften Retterin Sara. Diese Jungen leben in einer völlig anderen Welt – arm, ungeschliffen und sexuell erfahren. Agostino ist fasziniert und angewidert zugleich. Er wird aufgrund seines Reichtums toleriert, wegen seiner Unschuld und Unwissenheit in sexuellen Angelegenheiten verspottet, und er unterwirft sich masochistisch Demütigungen, nur um dazuzugehören. Durch diese Begegnungen verliert er schnell seine kindliche Unschuld, wird mit Klassenunterschieden, der Härte des Lebens und seiner eigenen erwachenden Sexualität konfrontiert.
Moravia schildert meisterhaft den psychologischen Sturm der Adoleszenz: eine Mischung aus Liebe, Hass, Eifersucht und Schuldgefühlen gegenüber seiner Mutter, den Wunsch nach Ablösung und die Unfähigkeit, sich aus dieser Beziehung zu befreien. Der Roman ist reich an Freudschen Motiven (Ödipuskomplex), aber auch an Gesellschaftskritik – er stellt bürgerlichen Komfort der bitteren Realität gegenüber. Er ist in einem präzisen, nüchternen Stil verfasst, der die Spannung und die emotionale Unmittelbarkeit verstärkt.
Agostino ist eine universelle Geschichte von Desillusionierung und dem schmerzhaften Übergang ins Erwachsenenalter. Er gilt als eines der besten Werke Moravias und als Klassiker der italienischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Es gibt auch eine Verfilmung aus dem Jahr 1962.
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