
Sablasti u Breslauu
„Die Geister von Breslau“ ist der dritte Teil der gefeierten Reihe um Kommissar Eberhard Mock, dank derer der polnische Schriftsteller und klassische Philologe Marek Krajewski weltweit als einer der kanonischen, ureigenen Autoren historischer Kriminalroma
Wir schreiben das Jahr 1919. Breslau (das heutige Wrocław) liegt kurz nach dem Ersten Weltkrieg in einer Stadt im Chaos, geplagt von Inflation, politischen Unruhen und moralischem Verfall. Der berüchtigte Kriminalbeamte Eberhard Mock, ein zynischer, intelligenter und skrupelloser Polizist, steht vor dem schlimmsten Fall seiner Karriere.
An einem Septembermorgen entdecken zwei Gymnasiasten auf einer der Inseln in der Oderflut einen makabren Anblick: die verstümmelten Leichen von vier Seeleuten. Neben den Leichen liegt eine an Mock adressierte Nachricht – bedrohlich, kryptisch, persönlich angreifend. Die Morde sind rituell, brutal, mit okkulten oder psychopathischen Zügen. Die Toten sind auf ähnliche, grausame Weise verstümmelt – die Angst vor einem Serienmörder, der im Verborgenen sein Unwesen treibt, macht sich in der Stadt breit.
Mock, bekannt für seine unmoralischen Methoden (Erpressung, Korruption, Verbindungen zur Unterwelt), übernimmt die Ermittlungen. Er ist ein zynischer Pragmatiker, der nicht an Geister oder Gespenster glaubt, doch der Fall führt ihn in die dunklen Ecken Breslaus: Bordelle, Geheimbünde, dekadente Kabaretts, kriminelle Kreise und die politischen Intrigen des Nachkriegsdeutschlands. Parallel dazu wird seine Vergangenheit enthüllt – Mock ist nicht nur ein Detektiv, sondern ein Mann mit vielen Sünden, der fürchtet, dass die Botschaft kein Zufall ist.
Die Ermittlungen führen durch ein Labyrinth von Hinweisen: Zeugen aus dem Hafen, Seemannsgarn, mögliche Verbindungen zu okkulten Sekten oder Rachegelüste aus der Vergangenheit. Mock setzt alles ein – Bestechung, Drohungen, Gewalt –, um die Wahrheit ans Licht zu bringen. Der Roman ist durchdrungen von der Atmosphäre der Weimarer Dekadenz: Prostituierte, Alkohol, Drogen, Korruption, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit. Mock wird nicht nur mit dem Mörder konfrontiert, sondern auch mit den Geistern seines Gewissens und dem Niedergang der Stadt.
Krajewski schafft meisterhaft eine düstere Noir-Atmosphäre: Das dunkle, regnerische Breslau wird beinahe zu einer eigenständigen Figur – erfüllt von den Geistern der Vergangenheit, des Krieges und des Bösen. Der Roman ist eine Mischung aus klassischem Kriminalroman, Psychothriller und historischem Fresko. Mock ist kein Held – er ist ein Zyniker, der in einer Welt ohne Moral überlebt, in der Geister nicht nur tot, sondern lebende Sünden sind.
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