
Saslušanje na daljinu: Razgovor s Karelom Hvížďalom
Havel spricht offen und tiefgründig über sein Leben, seinen literarischen Werdegang, seinen Widerstand und seine moralische Verantwortung in einem totalitären Regime. Ein intimes, autobiografisches Bekenntnis eines Dissidenten, der sich der „fernen Befrag
Das Buch „Fernverhör: Ein Gespräch mit Karel Hvížďal“ (1986) zählt zu Havels wichtigsten und persönlichsten Texten aus der Zeit der Normalisierung in der Tschechoslowakei. Es entstand in einer Zeit, als Havel nach jahrelanger Haft (1979–1983) unter ständigem Druck der StB stand, gesperrt und marginalisiert war – für das Regime ein „Söldner des Imperialismus“, für den Westen und Teile der tschechischen Öffentlichkeit ein Symbol des Widerstands.
Das Gespräch mit dem im Exil lebenden tschechischen Journalisten Karel Hvížďal (der seine Fragen über geheime Kanäle übermittelte und Havel handschriftlich beantwortete) fand 1985/86, kurz vor Havels 50. Geburtstag, statt. Der Titel „Fernverhör“ spielt ironisch darauf an, dass es sich um eine Art „Verhör“ ohne Anwesenheit des Staatsanwalts handelt – Havel selbst stellt sich Fragen zu seinem Leben, jedoch frei, ohne Zensur und ohne Angst vor der Polizei.
Havel beschreibt seine Kindheit in einer wohlhabenden Prager Familie, seine literarischen Anfänge in den 1950er-Jahren (Lyrik, Essays, Theater), seine Erfahrungen mit dem Tauwetter in den 1960er-Jahren, den Prager Frühling und dessen Zusammenbruch 1968, seinen Eintritt in die Dissidentenbewegung, die Unterzeichnung der Charta 77 und deren Folgen: Verlust des Arbeitsplatzes, Publikationsverbot, Haft. Besonders eindringlich schildert er seine Haftzeit – Demütigung, Zwangsarbeit in einer Uranmine, psychischer Druck, aber auch, wie das Gefängnis für ihn zu einem Ort innerer Freiheit und moralischer Reinheit wurde.
Das Buch ist mehr als nur eine Biografie; Havel reflektiert über zentrale Themen seines Lebens und Denkens: über das „Leben in der Wahrheit“ im Gegensatz zu den Lügen eines totalitären Systems, über die Verantwortung eines Intellektuellen, über die Bedeutung des gewaltlosen Widerstands, über die Absurdität des Regimes und über die Hoffnung auf Veränderung. Sein Stil ist ehrlich, introspektiv, mitunter humorvoll und selbstironisch – Havel verherrlicht sich nicht, sondern offenbart seine Schwächen, Zweifel und Ängste.
Dieses Buch wurde ein internationaler Bestseller, trug dazu bei, Havels Stimme weltweit bekannt zu machen und seinen Ruf als moralische Instanz zu festigen. Heute gilt es als Schlüsseldokument des Dissidentendenkens der 1980er-Jahre – ein Zeugnis dafür, wie der Einzelne Würde und Wahrheit in einem System bewahren kann, das alles daran setzt, sie zu zerstören. Paradoxerweise wurde Havels „ferner Monolog“ zu einer der eindringlichsten Stimmen gegen den Totalitarismus und später zum Fundament seiner politischen Philosophie als Präsident.
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