
Američka tragedija
Dreisers erster Roman, mit dem er kommerziellen Erfolg erzielte, ist eine auf einer wahren Begebenheit beruhende Geschichte über einen jungen Mann, der vor keinem Hindernis zurückschreckt, nicht einmal vor Mord, nur um Teil der respektablen amerikanischen
Der Roman „Eine amerikanische Tragödie“ basiert auf dem realen Mord an der jungen Grace Brown. Sie wurde von ihrem Geliebten, einem krankhaft ehrgeizigen jungen Mann, ermordet, weil sie seinem sozialen Aufstieg im Wege stand. Auf Grundlage dieses Ereignisses schuf Dreiser ein umfassendes Werk und entwarf ein breites Panorama des amerikanischen Lebens in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. (Das Werk erschien erstmals 1925.) Indem er Verbrechen als Folge blinder innerer Triebe und gesellschaftlicher Umstände darstellte, löste Dreiser hitzige Diskussionen aus und hatte, wie schon bei einigen seiner früheren Romane („Carrie“, „Genie“), Probleme mit der Zensur. Wie Zola, den er zu Beginn seines literarischen Schaffens als Vorbild nahm, strebt Dreiser danach, die von ihm dargestellten Figuren als objektiver Beobachter in den Vordergrund zu rücken, während er selbst als Schriftsteller stets im Hintergrund bleibt. Seine stets tragischen Helden werden eher als Opfer denn als Täter dargestellt, und Dreiser klagt sie nicht ihrer Verbrechen, ihrer Unmoral und ihrer Verfehlungen an, sondern vielmehr der Gesellschaft, die sie prägte und oft zu solchem Handeln zwang. Nachdem er sich in der Literatur zunächst als Anhänger von Zolas Naturalismus etabliert und später (in seinem Roman „Genius“, 1915) dezidiert nietzscheanische Ideen übernommen hatte, gelangte Dreiser zunehmend zu der Erkenntnis, dass die Ursachen allen Übels primär in der Gesellschaft selbst liegen, und er nahm einen sozialistischen Standpunkt ein, der in „Eine amerikanische Tragödie“ bereits deutlich zum Ausdruck kommt. Obwohl sein Stil mitunter unbeholfen wirkt (was seine Gegner stets betonten, um den künstlerischen Wert seiner Werke zu schmälern), zählt Dreiser zu den bedeutendsten amerikanischen Schriftstellern der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, und „Eine amerikanische Tragödie“, jener Roman, der eine düstere Dramatik und unbestreitbare tragische Kraft ausstrahlt, gehört zu den wertvollsten Werken der amerikanischen Literatur. Darüber hinaus betonte H. G. Welles nicht ohne Grund immer wieder, dass es sich um einen der größten Romane unseres Jahrhunderts handele.
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