
Hamsin 51
Der Roman Hamsin 51 (1993) ist einer der frühen Höhepunkte von Dragan Velikić – eine spektakuläre Familiensaga und ein Antikriegswerk, das inmitten des Zerfalls Jugoslawiens entstand und dessen Ende drei Jahrzehnte später – im Jahr 2022 – stattfinden wird
Der Titel spielt auf den Hamsin (einen warmen Wüstenwind aus dem Süden) an, ein Symbol für Chaos und Wandel. Die Handlung erstreckt sich über mehrere Zeiträume: Sie beginnt 1972, als der Dichter Nikola Gavrić das Manuskript seines Vaters Žarko Gavrić findet, eines Jurastudenten, der in Italien nach Spuren von Dositej Obradović und Njegoš sucht. Diese Suche enthüllt Schichten der Familiengeschichte, der Identität und intellektueller Irrwege.
Der Hauptteil spielt in den frühen 1990er-Jahren: Belgrad ist erneut eine Nachkriegsstadt, geprägt von grauen Ruinen, aus deren Ritzen Unkraut wächst (z. B. an den türkischen Bädern und am Nebojša-Turm). Der Roman schildert die intellektuelle Emigration infolge des Zusammenbruchs der SFRJ – entwurzelte Leben, Exil, Verlust der Heimat und nationalen Wahnsinn. Velikić entwirft ein kühnes Ende im Jahr 2022 – eine futuristische Vision der verstreuten Schicksale nach drei Jahrzehnten des Wandels, des Krieges und der Ruhe.
Der ungebändigte Erzählgeist verknüpft verschiedene historische Momente, Erinnerungen, Erwartungen und das Gedicht der Hauptfigur zu einem stimmigen Ganzen. Der psychologische Puls wird von einem filigranen, gemeißelten Satz begleitet – einer Mischung aus Realität und Fantasie, hervorgebracht durch die unauflösliche Realität des Krieges.
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