
Duga senka prošlosti: kultura sećanja i politika povesti
Aleida Assmann, eine führende Theoretikerin der Erinnerungskultur (gemeinsam mit ihrem Ehemann Jan Assmann), untersucht in diesem wegweisenden Buch, wie die Vergangenheit die Gegenwart durch die Spannung zwischen Erinnerungskultur und Geschichtspolitik pr
Der Titel „Der lange Schatten der Vergangenheit“ spielt darauf an, dass das 20. Jahrhundert (insbesondere der Holocaust und der Totalitarismus) die heutige Gesellschaft weiterhin prägt – es verschwindet nicht, sondern wird fortwährend neu interpretiert.
Das Buch gliedert sich in zwei Hauptteile:
– Theoretische Grundlagen: Assmann unterscheidet zwischen individuellem, sozialem und kulturellem Gedächtnis. Der Begriff des „kollektiven Gedächtnisses“ ist nicht statisch – er wandelt sich vom kommunikativen (lebendig, über 3–4 Generationen, mündlich) zum kulturellen (institutionalisierten: Museen, Denkmäler, Archive, Kanon). Er differenziert zwischen funktionalem Gedächtnis (aktiv, identitätsbezogen, selektiv) und Speichergedächtnis (passiv, archiviert, potenziell). Er kritisiert die Mythologisierung der Vergangenheit und zeigt, wie Erinnerung und Geschichte im Schatten des Holocaust zusammenfließen.
– Politische Dimension: Er analysiert, wie Staaten und Gesellschaften die Vergangenheit nutzen – von nationalen Mythen (Renan) bis zur Erinnerungspolitik nach 1989 (dem Fall des Kommunismus, der Aufarbeitung des Holocaust in Deutschland). Er erörtert Spannungen: persönliche Erfahrung versus offizielle Erinnerung, Trauma versus Triumph, Vergessen als Strategie (z. B. Neuanfänge nach dem Krieg) und die Gefahren des Revisionismus.
Assmann betont, dass Erinnerung nicht nur eine ethische Verpflichtung, sondern ein dynamischer Prozess ist – sie kann konstruktiv (Versöhnung) oder destruktiv (Nationalismus, Opferrolle) sein. Das Buch ist interdisziplinär: Es vereint Kulturwissenschaften, Geschichte, Psychologie und Politikwissenschaft und verwendet Beispiele aus Europa (Deutschland, Osteuropa, implizit der Balkan).
Dieses Meisterwerk der modernen Erinnerungstheorie – klar, verständlich und anregend – ist unverzichtbar, um zu verstehen, wie die Vergangenheit heute in der Identitätspolitik instrumentalisiert wird. Im kroatisch-serbischen Kontext ist es aufgrund der Kriege der 1990er-Jahre und der damaligen Debatten über Erinnerung besonders relevant.
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