
Automat
Eine Sammlung von 41 Kurzgeschichten: Die Figuren agieren wie „Automaten“ – mechanisch, teilnahmslos, unfähig, authentisch auf die Probleme des Lebens zu reagieren. Der moderne Mensch entfremdet, gefangen in Routine, Sex, Geld und Passivität, ohne Willen
Automat ist eine Kurzgeschichtensammlung von Albert Moravia, erschienen 1962–1963, mit 41 Geschichten (einige davon bereits in Zeitungen veröffentlicht). Sie stellt Moravias konzentrierteste Auseinandersetzung mit existenzieller Entfremdung und Entmenschlichung in der modernen Gesellschaft dar – die Figuren sind „Automaten“, Menschen, die nicht mehr aus innerer Motivation handeln, sondern mechanisch auf äußere Impulse reagieren, wie seelenlose Maschinen.
Das Hauptthema ist die Unfähigkeit zum proaktiven Handeln, die Passivität angesichts von Problemen (Liebe, Krise, Tod, Sexualität). Die Protagonisten sind zumeist Männer der Mittelschicht, Intellektuelle oder einfache Bürger – sie beobachten das Leben aus der Ferne, ohne den Willen zur Veränderung. Zum Beispiel ein Mann, der eine langweilige Beziehung nicht beenden kann, ein Ehemann, der die Untreue seiner Frau toleriert, jemand, der Verlust nicht ertragen kann, oder jene, die sich Routine und Fetischen (Geld, Gegenstände, der Körper) als Ersatz für Sinn ergeben.
Hier seziert Moravia präzise das Nachkriegsitalien und den Westen im Zeitalter der Konsumgesellschaft: die Entfremdung von sich selbst und anderen, Sex als mechanischer Akt, die Unmöglichkeit echter Kommunikation, die Herrschaft der Objekte über das Subjekt (Fetisch als Titelmetapher). Die Geschichten sind kurz, nüchtern, introspektiv – oft in der Ich-Perspektive, mit Betonung auf innerem Monolog und absurden Situationen. Es gibt weder Heldentum noch Katharsis; die Enden sind bitter, resigniert oder zynisch.
Diese Sammlung führt die Motive aus „Langeweile“ und „Römische Erzählungen“ fort, dringt aber tiefer in die psychologische und existenzielle Krise ein – sie nimmt spätere Themen der Entfremdung in der Moderne vorweg (Einfluss auf die postmoderne Literatur). Kritiker heben hervor, dass Moravia hier die „Automatisierung“ menschlichen Verhaltens in der kapitalistischen Gesellschaft aufzeigt: Menschen werden zu Objekten ohne freien Willen. Der Stil ist minimalistisch, präzise, ohne Pathos – die Form der Kurzgeschichte passt perfekt zum Thema eines mechanischen, repetitiven Lebens.
Diese Sammlung gilt oft als eine seiner radikalsten Erzählsammlungen. Sie markiert den Höhepunkt von Moravias „psychologischer“ Phase der 1960er Jahre, in der sich der Fokus von der Gesellschaftskritik hin zu einer tiefgreifenden Identitäts- und Sinnkrise des modernen Menschen verlagert.
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