
Dosije Hebrang
Dragan Kljakićs Buch untersucht den mysteriösen Fall von Andrija Hebrang. Anhand von Archivmaterialien und Dokumenten analysiert der Autor dessen politischen Aufstieg, Fall, die umstrittenen Anschuldigungen und sein tragisches Schicksal im Gefängnis.
Dragan Kljakićs publizistisches Werk „Die Hebrang-Akten“ zählt zu den ersten und bedeutendsten Schriften der frühen 1980er Jahre, die ein bis dahin streng gehütetes politisches Tabuthema des jugoslawischen Sozialismus öffentlich thematisierten: das Schicksal von Andrija Hebrang. Hebrang, ein führender kroatischer Kommunist und Sekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Jugoslawiens, wurde nach seiner Entlassung und Verhaftung 1948 zu einer der umstrittensten und tragischsten Figuren der Partei. In seinem Buch rekonstruiert Kljakić Hebrangs politischen Werdegang, von seinen Aktivitäten in der illegalen Bewegung und seiner Führungsrolle im nationalen Befreiungskampf bis hin zu seinen innerparteilichen Konflikten mit der von Tito geführten Spitze der Kommunistischen Partei Jugoslawiens. Der Autor befasst sich ausführlich mit den Vorwürfen des Hochverrats, der Kollaboration mit dem Ustascha-Regime und der sogenannten „Fraktionsbildung“ sowie mit den Umständen seiner Inhaftierung und seines mysteriösen Todes im Belgrader Glavnjača-Gefängnis im Jahr 1949. Unter Einbeziehung verfügbarer Dokumente, Verhandlungsprotokolle und zeitgenössischer Zeugenaussagen stellte das Buch einen wichtigen Schritt in der nachfolgenden Neubewertung der offiziellen kommunistischen Geschichtsschreibung und der Entmystifizierung politischer Prozesse im Nachkriegsjugoslawien dar.
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