
Zima u Sokchu
Ein subtiler und atmosphärischer Roman über eine junge französisch-koreanische Frau, die in einer Pension im winterlichen Sokcho nahe der Grenze zu Nordkorea arbeitet. Die Begegnung mit einem französischen Comiczeichner wirft Fragen nach Identität, Zugehö
Winter in Sokcho (2016) ist der Debütroman der schweizerisch-koreanischen Schriftstellerin Élise Shua Dusapin. Die Geschichte spielt im winterlichen Sokcho, einem Touristenort an der Ostküste Südkoreas, direkt neben der entmilitarisierten Zone. Die junge, namenlose Erzählerin, eine französisch-koreanische Frau, die noch nie in Frankreich war, arbeitet in einer halbleeren Pension. Ihr Leben ist von einem Gefühl der Unausgewogenheit geprägt: Ihre Mutter ist besessen von Schönheitsoperationen, ihr Freund bereitet sich auf seine Reise nach Seoul vor, und sie selbst schwebt zwischen zwei Identitäten, ohne sich einer von beiden so richtig zugehörig zu fühlen.
Mit der Ankunft von Yan Kerrand, einem französischen Comiczeichner mittleren Alters, der Inspiration für seine Serie sucht, entsteht eine unterschwellige Spannung in ihrem Leben. Ihre Begegnungen – Spaziergänge, Gespräche bei Sushi und Tintenfisch, Fahrten zur Grenze – entwickeln sich zu einer seltsamen, zerbrechlichen Beziehung voller unausgesprochener Gefühle, Anziehung und Entfremdung.
Dusapin schreibt minimalistisch, präzise und poetisch. Der Roman verströmt die Kälte eines koreanischen Winters, die Unmittelbarkeit des Meeres und die Melancholie der Grenze. Das Buch ist eine subtile Studie über Identität, Einsamkeit, den Körper und kulturelle Zersplitterung. Es ist kurz, aber zutiefst bewegend – ein wahrer literarischer Genuss für Liebhaber atmosphärischer und introspektiver Prosa.
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