
Izabrane pjesme
Die von Branislav Glumac zusammengestellte Auswahl von Jessenins Gedichten vereint die Schlüsselmotive seiner Lyrik – die Landschaft, die Liebe, die Trauer und die Selbstzerstörung – in Übersetzungen von Cesarić, Golob und Krklec.
Die von Branislav Glumac zusammengestellte und von Dobriša Cesarić, Zvonimir Golob und Gustav Krklec übersetzte Gedichtsammlung „Ausgewählte Gedichte“ (1973) von Sergei Jessenin stellt eine repräsentative jugoslawische Auswahl der Werke eines der meistgelesenen russischen Dichter des 20. Jahrhunderts dar. Diese Ausgabe ist nicht nur als Überblick über Jessenins Schaffen wichtig, sondern auch als Dokument der Rezeption in Russland: Die Stimmen verschiedener Übersetzer vermitteln ein Bild eines Dichters, der in den Augen der jugoslawischen Leserschaft seit Langem als Lyriker der Intimität, Melancholie, Rebellion und Selbstzerstörung wahrgenommen wird.
Jesenins Lyrik kreist um die Spannung zwischen Zärtlichkeit und Ausschweifung. Im Zentrum stehen das russische Dorf, die Natur, religiöse und folkloristische Anklänge, aber auch ein Gefühl von Verlust, Wanderschaft, Schuld und innerer Zerrissenheit. Deshalb fungieren solche Auswahlen in der Regel nicht nur als anthologischer Querschnitt, sondern auch als Prägung des Dichterbildes: Jessenin wird hier als Stimme verletzlicher Subjektivität gelesen, hin- und hergerissen zwischen Heimatsehnsucht und dem Zusammenbruch der Moderne.
Der Wert des Buches liegt zudem in den Übersetzungen dreier bedeutender Dichterübersetzer. Cesarić, Golob und Krklec vermitteln nicht nur die Bedeutung, sondern auch den Ton, den Rhythmus und die emotionale Färbung des Originals, sodass die Edition zugleich eine Begegnung zwischen Jessenin und der südslawischen Lyriktradition darstellt. Daher besitzt dieses Buch sowohl literarisches als auch kulturelles Gewicht: Es bestätigt Jessenin als einen Autor, der im südslawischen Sprachraum dauerhaft präsent ist.
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