
Jevgenija Ivanovna
Leonid Leonows Kurzroman *Jewgenija Iwanowna* beleuchtet anhand des tragischen Schicksals einer russischen Emigrantin in Europa Themen wie Entfremdung, unüberwindliches Heimweh, Identitätsverlust und Unglück in der Nachkriegswelt.
„Jewgenija Iwanowna“ (1964) ist eine psychologisch und lyrisch geprägte Novelle des bedeutenden russischen und sowjetischen Schriftstellers Leonid Leonow. Die Handlung folgt dem Lebensweg der Titelheldin, einer jungen russischen Adligen, die nach der Oktoberrevolution und dem Bürgerkrieg ihre Heimat verlässt und als Emigrantin in Westeuropa (Konstantinopel, Paris, London) lebt, wo sie den englischen Archäologen Straaton heiratet. Obwohl sie in ihrer neuen Umgebung scheinbar ein stabiles und friedliches Leben führt, wird Jewgenija von unerträglicher Heimweh und dem Gefühl der Entwurzelung zerrissen. Eine Begegnung mit ihrer früheren Liebe aus der Heimat facht ihre verdrängten Gefühle neu an und beschleunigt den tragischen Ausgang. Mit außergewöhnlicher psychologischer Feinfühligkeit schildert Leonow den inneren Zusammenbruch eines Menschen, der zwar physisch gerettet ist, aber geistig für immer an das Land gebunden bleibt, das er verlassen musste. Die Erzählung ist tief durchdrungen von der Tragik der russischen Emigration des 20. Jahrhunderts. Ihre Beziehung zur neuen Umgebung und die Sehnsucht nach der Heimat werden nicht durch politische Parolen vermittelt, sondern durch ein intimes, stilles menschliches Drama. „Jewgenija Iwanowna“ zählt zu Leonows subtilsten Werken und besticht durch stilistische Eleganz, bittere Einsichten in das Fremdsein sowie die bewegende Darstellung einer unheilbaren Sehnsucht.
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