
Duga topla jesen
Tibor Dérys Roman „Der lange warme Herbst“ ist ein intimer Roman über das Alter, der sich mit dem unaufhaltsamen Verfall von Körper und Geist und den letzten Versuchen, dem unausweichlichen Tod zu entfliehen, auseinandersetzt.
Der lange warme Herbst ist ein Spätwerk des ungarischen Klassikers Tibor Déry, entstanden in seinen letzten Lebensjahren. Der Roman zählt zu den nachdenklichen, intimen Texten des Autors, in denen er sich mit den Themen Alter, Vergänglichkeit und dem Angesicht des Todes auseinandersetzt.
Die Geschichte folgt einem älteren Intellektuellen, der den „langen warmen Herbst“ des Lebens erlebt – eine Zeit, in der der Körper schwächer wird, Erinnerungen wieder lebendig werden und das Bewusstsein der eigenen Sterblichkeit immer präsenter wird. Déry beschreibt mit großer Aufrichtigkeit und lyrischer Kraft den körperlichen Verfall, die Einsamkeit, die Sehnsucht nach der Vergangenheit und die kleinen, alltäglichen Rituale, mit denen der alte Mann versucht, Würde und Sinn zu bewahren.
Das Werk ist universell: Obwohl es in einem ungarischen Kontext spielt, spricht es von einer Erfahrung, die wir alle durchmachen müssen. Der Autor verwebt Erinnerungen an Jugend, Liebe, Umbrüche und persönliche Dramen mit der Gegenwart, die von Krankheit, Einschränkungen und dem Bewusstsein der begrenzten Zeit geprägt ist. „Der lange warme Herbst“ wird zur Metapher für die letzte Lebensphase – noch immer schön, aber bereits von Herbstfarben und der Vorahnung des Winters geprägt.
Stilistisch ist der Roman reif und raffiniert – Dérys Sprache ist reichhaltig, introspektiv und poetisch, mit einem Schwerpunkt auf innerem Monolog und subtilen Details. Wie in anderen späten Werken (z. B. Herr G.A. in der Stadt X) spürt man auch hier die Weisheit eines Mannes, der das turbulente 20. Jahrhundert – Kriege, Revolutionen, Gefängnisaufenthalte und ideologische Umbrüche – miterlebt hat und nun vor seiner persönlichsten Herausforderung steht: dem Altern und dem Tod.
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