
Živa trska
„Das lebende Schilfrohr“ (1963) ist ein epischer historischer Roman, in dem der Autor die turbulente Geschichte Koreas vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs (1881–1945) anhand der Schicksale von vier Generationen der aristokrat
Die Geschichte beginnt 1881 in Seoul während der Joseon-Dynastie. Il-han Kim, ein angesehener Gelehrter und Berater der Königsfamilie (König Gojong), führt mit seiner Frau Sunya ein relativ stabiles und privilegiertes Leben. Die Familie gehört der Yangban-Klasse (der gebildeten Oberschicht) an. Korea steht jedoch unter großem Druck der damaligen Großmächte – China, Russland und insbesondere Japan.
Der entscheidende Wendepunkt ist die japanische Invasion und die Ermordung von Königin Min (1895). Daraufhin taucht Il-han mit seiner Familie unter. Der Roman schildert, wie die Familienmitglieder am geheimen Widerstand gegen die japanische Besatzung teilnehmen (die 1910 mit der Annexion offiziell begann). Einige werden zu aktiven Unabhängigkeitskämpfern (darunter Exil in China und Teilnahme an der Bewegung des 1. März 1919), während andere sich den neuen Umständen anpassen (z. B. erfolgreiche Geschäftsleute werden, aber mit dem Gefühl, ihr Heimatland verraten zu haben). Die Familie durchlebt Spaltungen, Opfer, Verluste, Verfolgung und persönliche Dramen.
Der Roman endet mit der Befreiung Koreas 1945, deutet aber bereits neue Spaltungen an – darunter auch kommunistische Einflüsse. Pearl S. Buck gelingt mit diesem Roman für Korea (den sie selbst als eines ihrer besten asiatischen Werke betrachtete) das, was sie mit The Good Country für China geleistet hat: Sie erweckt die Menschen, ihre Kultur und ihr Leid durch zutiefst menschliche Schicksale zum Leben, nicht nur durch trockene historische Fakten.
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