
Majmunova šapa / Mitnica
In „Die Affenpfote“ erhält ein altes Ehepaar eine magische Wunschpfote – allerdings zu einem schrecklichen Preis. In „Mitnica“ verbringen vier Freunde die Nacht in einem Spukhaus, das seinen Tribut fordert: ein Leben pro Nacht. Zwei klassische Horrorgesch
William Wymark Jacobs (1863–1943), ein englischer Schriftsteller, bekannt für seine humorvollen Seemannsgeschichten, wurde durch zwei seiner meisterhaften Horrorgeschichten unsterblich: „Die Affenpfote“ (1902) und „Das Zollhaus“ (1909).
„Die Affenpfote“ ist die bekannteste und einflussreichste seiner Erzählungen. Die Geschichte spielt in einem kleinen englischen Cottage, in dem ein älteres Ehepaar, die Whites, und ihr Sohn Herbert leben. Eines Abends besucht sie ein alter Freund, Sergeant Morris, und bringt ihnen eine getrocknete Affenpfote mit – einen Talisman aus Indien, der angeblich drei Wünsche erfüllt, jedoch stets auf schreckliche und perverse Weise. Trotz aller Warnungen wünscht sich Mr. White Geld. Am nächsten Tag erreicht sie die Nachricht, dass ihr Sohn Herbert in einer Fabrik gestorben ist, und die Firma zahlt ihnen genau die Summe, die sie als Entschädigung gefordert hatten. Verzweifelt wünscht sich die Mutter die Rückkehr ihres Sohnes, und schon bald klopft es an der Tür …
Jacobs baut die Spannung meisterhaft durch realistische Alltagsdarstellung und die allmähliche Enthüllung des Grauens auf. Die Geschichte ist eine perfekte Parabel über die Gefahren des Spiels mit unbekannten Kräften, Gier und Ohnmacht angesichts des Schicksals. Sie ist zu einem Klassiker der Weltliteratur geworden, wurde vielfach dramatisiert und verfilmt und inspirierte zahlreiche Autoren.
„Das Zollhaus“ ist das zweite Meisterwerk desselben Autors. Vier junge, skeptische Freunde – Barnes, Meagle, Lester und White – beschließen, während einer Wanderung die Nacht in einem verlassenen Bordell zu verbringen. Der Legende nach fordert das Zollhaus einen Tribut – jedes Mal ein Leben, wenn jemand dort übernachtet. Trotz der Geschichten von früheren Opfern (darunter ein erhängter Landstreicher) wetten die jungen Männer und betreten das Haus. Die Nacht vergeht mit zunehmendem Unbehagen: Schritte sind zu hören, die Tür öffnet sich von selbst, die beiden fallen in einen unerklärlichen Schlaf … Am Morgen entdecken sie die schreckliche Wahrheit. Jacobs verzichtet hier auf ein sichtbares übernatürliches Wesen und setzt stattdessen auf Atmosphäre, Andeutungen und psychologische Spannung. Die Geschichte schildert auf brillante Weise den Konflikt zwischen Skepsis und dem Unbekannten sowie die Folgen menschlicher Arroganz.
Beide Geschichten tragen Jacobs’ unverkennbare Handschrift: eine sparsame, realistische Prosa, schwarzer Humor und ein allmählicher Anstieg des Schreckens ohne überflüssige Beschreibungen. Anstelle expliziter Gewalt entspringt die Angst dem Alltag, der langsam verzerrt wird. „Die Affenpfote“ betont Fatalismus und den Preis der Begierde, während „Das Zollhaus“ die Angst vor dem Unbekannten und die Macht der Suggestion erforscht. Zusammen repräsentieren sie den Höhepunkt der englischen Horrorkurzprosa zu Beginn des 20. Jahrhunderts und beeinflussten Autoren wie Lovecraft und die spätere Horrortradition. Diese Jacobs-Geschichten sind ein Muss für Fans des klassischen Horrors – kurz, prägnant und zutiefst verstörend.
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