
Večera bez politike
Der bosnische Dichter Mile Stojić (geb. 1951) veröffentlichte 2005 „Dinner Without Politics“ – eine der angesehensten Sammlungen seines Nachkriegswerks, die bereits als Manuskript im Verlagswettbewerb der Stiftung ausgezeichnet wurde.
Der Titel weckt die Sehnsucht nach einem Moment der Ruhe: ein Abendessen ohne Politik, Gespräche über Krieg, Nationalismus und Vergangenheit – einfach eine vertraute Begegnung, eine Umarmung, ein Flüstern im Haar („Ich möchte dich einfach nur umarmen, wie Wasser eine Kiefer umarmt“). Doch diese Sehnsucht ist trügerisch: Krieg, Exil, Verlust der Heimat und Identitätsbrüche durchdringen jedes Gedicht.
Die Sammlung ist ein lyrisches Tagebuch eines Exilanten: Herzegowina in Erinnerungen (ursprüngliche Natur, Kindheit, Gerüche), Wien als kaltes Exil, Sarajevo und Bosnien als Wunden, die nicht heilen. Die Gedichte sind kurz, prägnant, mit einem Hauch von Ironie, schwarzem Humor und bitterer Klarheit – Stojić schreibt über eine verlorene Generation, die eine Utopie sozialer Gerechtigkeit erschuf, aber Krieg und Exil erlebte.
Der Stil ist reif, ohne Pathos: Die Verse sind rhythmisch, bildhaft, mit Wiederholungen und Metaphern von Wasser, Stein und Schnee. Kritiker loben die Leichtigkeit des Erzählens in Versform, die makellose Formbeherrschung und die Einzigartigkeit – die Verschmelzung von Literatur und realem Leben. Dies ist Stojićs bisher größtes Werk – eine Elegie für die Verlorenen, aber auch ein Widerstand gegen Schweigen und Vergessen durch die Poesie. Das Buch ist eine wichtige Stimme der bosnisch-herzegowinischen Lyrik im Exil der 2000er Jahre.
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