
Sudbina nepoznata
Agatha Christies Spionagethriller ist ein seltenes Beispiel für ihre Abkehr vom klassischen Detektivgenre hin zur Spionage im Kalten Krieg. Der Roman erschien auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges und thematisiert die Entführung von Wissenschaftlern und ge
Die Hauptfigur Hilary Craven ist eine zutiefst unglückliche Frau: Sie verlor ihre Tochter an Meningitis, ihr Mann verließ sie für eine andere, ihr Leben ist leer. In einem Hotel in Casablanca bereitet sie sich darauf vor, mit Tabletten Selbstmord zu begehen. Dort wird sie von dem britischen Geheimdienstoffizier Jessop abgefangen, der ihr eine Alternative anbietet: statt des Todes eine gefährliche Mission. Hilary ähnelt äußerlich Olivia Betterton, der Frau des britischen Physikers Thomas Betterton, der verschwunden ist (angeblich in den Osten übergelaufen). Hilary muss ihre Identität annehmen, mit dem Flugzeug reisen und dem Weg zu einem „unbekannten Ziel“ folgen – einem geheimen Zufluchtsort, in dem Wissenschaftler gegen ihren Willen festgehalten und gezwungen werden, für eine mysteriöse Organisation zu arbeiten.
Die Reise ist voller Spannung: Flüge, Identitätswechsel, verdächtige Begleiter (darunter Engländer, Franzosen und Amerikaner). Hilary erreicht einen abgeschlossenen, modernen Komplex in den Bergen (ähnlich einem utopischen Gefängnis), in dem ein totalitäres Regime unter der Führung der charismatischen Frau Elke und des Anführers Boris herrscht. Wissenschaftler leben in trügerischer Freiheit, werden aber unter Drogen gesetzt und überwacht; das Ziel ist die Erschaffung einer „neuen Welt“ durch die Wissenschaft.
Hilary entdeckt, dass Thomas Betterton ermordet wurde, weil er die Zusammenarbeit verweigerte, und dass Olivia der Schlüssel zum Zugang war. Der Roman gipfelt in Flucht, Aufdeckung der Wahrheit und Rettung – mit einer typischen Christie-Wendung: Nicht alles ist schwarz-weiß, und die Motive sind komplex.
Christie verknüpft psychologische Tiefe (Hilarys Wandlung von der Suizidgefährdeten zur mutigen Heldin), Spionage-Action und Kritik am Totalitarismus. Es gibt keinen Poirot oder Marple – im Mittelpunkt steht eine gewöhnliche Frau in einer außergewöhnlichen Situation. Das Buch ist dynamisch, spannend, mit exotischen Elementen (Marokko, ein Flugzeug, Berge), aber auch mit der Paranoia des Kalten Krieges.
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