
Čiča Goriot
Onkel Goriot ist einer der berühmtesten und wichtigsten Romane von Honoré de Balzac und erschien 1835. Er ist Teil seines umfangreichen Zyklus Die menschliche Komödie (La Comédie humaine) und gilt als das vielleicht erfolgreichste Werk dieses Zyklus.
Die Geschichte spielt im Paris des Jahres 1819, während der Restauration der Bourbonenmonarchie. Die Gesellschaft befindet sich im Umbruch – Geld und sozialer Status gewinnen an Bedeutung.
Die drei Hauptfiguren sind in der schäbigen und billigen Pension von Madame Vauquer miteinander verwoben:
Onkel Goriot – ein älterer, ehemaliger Nudelhändler, einst reich, der sein gesamtes Vermögen für seine beiden Töchter (Anastasie de Restaud und Delphine de Nucingen) ausgab. Diese haben reiche Männer geheiratet, verachten ihn nun aber, schämen sich für ihn und beuten ihn schamlos aus. Er lebt in Armut, liebt sie aber dennoch bedingungslos und verzeiht ihnen alles.
Eugène de Rastignac – ein junger, ehrgeiziger Jurastudent aus der Provinz, arm, aber adliger Herkunft. Er kam nach Paris, um in die Pariser Gesellschaft aufzusteigen. Durch seine Verwandten lernt er die Salons der High Society kennen und begreift die Grausamkeit ihrer Spielregeln: Geld, Beziehungen und Skrupellosigkeit beherrschen alles.
Vautrin – ein geheimnisvoller, charismatischer Mann in der Pension, in Wirklichkeit ein Flüchtling und Krimineller (später als Colin entlarvt). Zynisch erklärt er dem jungen Rastignac, wie Paris funktioniert: Ehrlichkeit führt zu nichts, man muss über Leichen gehen, um reich zu werden.
Der Roman schildert Rastignacs „Erleuchtung“ – vom naiven Provinzler zum Mann, der die Grausamkeit der Gesellschaft akzeptiert. Parallel dazu verfolgen wir das tragische Schicksal von Onkel Goriot, der elend stirbt und von seinen Töchtern, die ihm alles verdanken, verlassen wird.
Am bewegendsten ist Goriots Tod – seine Töchter besuchen ihn nicht auf dem Sterbebett, da sie mit ihren eigenen Problemen beschäftigt sind (die eine rettet die Ehre ihrer Geliebten, die andere klärt die Veruntreuung ihres Mannes auf). Nur Rastignac und der Medizinstudent Bianchon kümmern sich um ihn. Schließlich blickt Rastignac vom Friedhof Père-Lachaise auf die reichen Viertel von Paris und ruft: „Jetzt liegt es an uns beiden!“ – und akzeptiert die Spielregeln illusionslos.
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- Spuren von Patina





