
Posljednji Stipančići
Dieser wegweisende Roman des kroatischen Realismus schildert den Niedergang der Adelsfamilie Stipančić aus Senj – betrachtet durch das Prisma des patriarchalischen Despotismus des Vaters, der familiären Selbsttäuschungen sowie der gesellschaftlichen Verän
Die letzten Stipančićs (Posljednji Stipančići) gilt als eines der ausgereiftesten und bedeutendsten Werke des kroatischen Realismus. Darin schildert Vjenceslav Novak – oft als der „kroatische Balzac“ bezeichnet – meisterhaft den Niedergang einer Patrizierfamilie in der Stadt Senj in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Anhand des Schicksals der Familie Stipančić veranschaulicht der Autor zugleich den breiteren gesellschaftspolitischen Kontext jener Epoche: den Verfall des Adels, den Aufstieg des Bürgertums sowie die politischen Unruhen und Konflikte zwischen den Illyrern und den Magyaronen. Im Mittelpunkt der Erzählung steht der Vater, Ante Stipančić – ein autokratischer, egozentrischer Patriarch –, der sein gesamtes Vermögen, seine Hoffnungen und seine Zuneigung in seinen Sohn Lucijo investiert, in den festen Glauben an dessen künftige Karriere und politischen Aufstieg. Dabei vernachlässigt und unterdrückt er seine Ehefrau Valpurga sowie seine Tochter Lucija völlig und drängt sie in die Rolle unterwürfiger, dem Mann untergeordneter Frauen im Haushalt. Doch Lucijos sorgloses und verantwortungsloses Leben in Wien führt die Familie in den vollständigen finanziellen und moralischen Ruin. Besonders ergreifend ist die Figur der vernachlässigten Tochter Lucija, deren tragische Liebe und Sehnsucht nach Freiheit sich zu einem kraftvollen Protest gegen die patriarchale Unterdrückung entwickeln. Novak verknüpft geschickt Rückblicke und Familienchronik mit tiefgründiger psychologischer Nuancierung und schafft so ein zeitloses Drama über falschen Stolz, zerstörte Illusionen und tragische familiäre Beziehungen.
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