
Demijan
Der Roman schildert das Erwachsenwerden von Emil Sinclair, der mit Hilfe seines geheimnisvollen Freundes Demian die scheinbar sichere Welt der Kindheit verlässt und sich auf eine Reise der Selbstfindung begibt, auf der er seine eigene dunkle Seite annimmt
Demian (1919) zählt zu Hermann Hesses einflussreichsten Werken und entstand unter dem tiefgreifenden Eindruck des Ersten Weltkriegs sowie der Psychoanalyse C. G. Jungs. Die Erzählung schildert den Reifeprozess von Emil Sinclair, einem Jungen, der in einem scheinbar perfekten, bürgerlichen Familienmilieu – einer „Welt des Lichts“ – aufwächst. Diese Idylle zerbricht, als er nach einer harmlosen Lüge zum Opfer der Erpressung durch einen gewalttätigen Jungen namens Kromer wird und dadurch erstmals unmittelbar mit der „Welt der Finsternis“, der Sünde und dem Leid in Berührung kommt. Aus dieser Unterwerfung wird er von einem neuen Mitschüler befreit: dem reifen und geheimnisvollen Max Demian. Demian eröffnet Sinclair völlig neue Perspektiven, indem er überlieferte biblische Geschichten – etwa die von Kain und Abel – neu deutet und nahelegt, dass das „Kainsmal“ kein Schandmal, sondern ein Zeichen für unabhängige und mutige Individuen ist. Demian wird zu seinem geistigen Wegweiser auf dem beschwerlichen Pfad der Individuation – einem Prozess, in dem das Individuum alte Illusionen ablegen muss, um zur eigenen Wahrheit zu gelangen. Im weiteren Verlauf seiner Jugend begegnet Sinclair Demians Mutter, Frau Eva, die für das Ur-Sein, Weisheit und ideale Weiblichkeit steht. Durch ihre Gegenwart und die Lehren über die Gottheit Abraxas – die sowohl das Gute als auch das Böse, das Göttliche wie das Dämonische in sich vereint – lernt Sinclair, die Ganzheit seines eigenen Wesens zu bejahen. Der Roman endet mit dem Ausbruch des Krieges; die physische Trennung von Sinclair und Demian besiegelt ihre endgültige innere Verbundenheit, da Sinclair nun bereit ist, seine eigene Identität eigenständig zu tragen.
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