
Granica
Die Sammlung zählt zu Nešićs wichtigsten Werken aus der Nachkriegszeit der 1990er Jahre, als er mit Exil, Minderheitenstatus und Identitätsbrüchen an der Grenze zweier Welten – der kroatischen und serbischen, der slawonischen und der Donauwelt – konfronti
Der Titel „Grenze“ ist ein vielschichtiges Symbol: eine physische Grenze (die Donau, die Staatsgrenze), eine Grenze zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Leben und Tod, Erinnerung und Vergessen, und die Grenze der Menschlichkeit in Krieg und Nachkriegszeit. Die Gedichte sind intim, melancholisch, mit starken Heimatmotiven: die Donau als ewiger Fluss, der Erinnerungen trägt, die Dörfer Bijelo Brdo und Dalj, Weinberge, Häuser, Menschen, die geblieben oder gegangen sind.
Nešić schreibt über die Minderheitenstellung der Serben in Kroatien – über Schweigen, Angst, den Verlust von Sprache und Kultur, aber auch über Widerstand durch Poesie und Erinnerung. Die Verse sind präzise, rhythmisch, mit einem Hauch lyrischer Minimalität und tiefer Traurigkeit, aber ohne Pathos – eher kontemplativ als anklagend. Die Grenze wird zum Ort der Begegnung und Trennung, wo Identität in Fragmenten gesucht wird.
Die Sammlung gehört zu Nešićs Werk, das sich mit Heimat, Geschlecht und Sprache auseinandersetzt (neben „Das Fenster, durch das die Donau fließt“ und „Es ist besser, in der Minderheit zu sein“). Sie wird in der serbischen Literatur Kroatiens als Zeugnis für das Überleben einer Kultur am Rande geschätzt, wobei die stille Kraft der Worte als Schutzwall gegen das Vergessen hervorgehoben wird.
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