
Ein Apfel ist an allem schuld
Kishon persifliert die Zehn Gebote in einer Reihe von Kurzgeschichten. Menschliche Schwächen, Heuchelei und vergebliche Versuche, ein gesetzestreues Leben zu führen, bilden die Quelle des Humors. Der Titel spielt auf den Apfel im Paradies an.
„Ein Apfel ist an allem schuld“ ist eine humorvolle Nacherzählung der Zehn Gebote, die vom Autor selbst zusammen mit Ursula Abrahamy und Friedrich Torberg aus dem Hebräischen ins Deutsche übersetzt wurde. Kishon bezeichnet die Bibel als „ein einzigartiges, wunderbares Werk, das das menschliche Verständnis übersteigt“, nähert sich ihr aber mit derselben schonungslosen, aber warmherzigen Satire, die er allen menschlichen Institutionen entgegenbringt. Jedes Gebot erhält seinen eigenen Erzählzyklus: das erste über die Entwertung von Götzen und Telefongöttern, das dritte über einen chaotischen Feiertag und einen „Fischernetzstrumpf-Karneval“, das fünfte über eine Reihe missverstandener Morde, das siebte über den alltäglichen Diebstahl als Volkssport, das achte über professionelle Falschaussage, das neunte über Nachbarschaftsneid und die Quadratur des Kreises.
Der Titel spielt auf den Apfel Edens an – die Frucht, die laut biblischer Erzählung den Menschen zum Sündenfall verführt. Doch Kischon verdreht dieses Motiv: Die Schuld liegt nicht im Apfel oder im Schöpfer, sondern in der ewigen menschlichen Ungeschicklichkeit, selbst das klarste Gebot passend auszulegen. Einen besonderen Reiz besitzt die Schlussszene, in der der „Apfelwurm“ selbst eine Verteidigungsrede gegen Kischons Anschuldigung hält – wie noch nie jemand die Schuld so entschieden dem Apfel zugeschoben hat. Der Höhepunkt von Kischons satirischem Bibeljournalismus, der sich in der deutschsprachigen Welt großer Beliebtheit erfreute.
Angeboten wird ein Exemplar





