
Dnevnik 2: Dnevnik 1918-22 (Davni dani II)
Das Tagebuch 1918–22 dokumentiert Krležas Schriften aus den Nachkriegsjahren, die vom Zusammenbruch der Monarchie, der Entstehung eines neuen Staates, politischen Spaltungen und seiner zunehmend harschen Kritik an Gesellschaft, Intellektuellen und ideolog
Tagebuch 1918–22 (Alte Tage II) setzt den in den Kriegsaufzeichnungen begonnenen autobiografischen Bogen fort, nun jedoch in einer völlig anderen Atmosphäre – in den turbulenten Nachkriegsjahren mit Revolutionen, Staatsreformen und tiefgreifenden gesellschaftlichen Umbrüchen. In diesem Tagebuch beobachtet Krleža eine Zeit, in der der Zusammenbruch Österreich-Ungarns zwar ein Gefühl der Freiheit, aber auch Enttäuschung mit sich bringt: Anstelle der erwarteten Schaffung einer neuen, gerechteren Welt treten alte Machtmuster, Nationalismen, politische Machtkämpfe und ideologische Abweichungen wieder in Erscheinung.
Die Aufzeichnungen spiegeln Krležas Enttäuschung über Intellektuelle wider, die statt moralischem Engagement Kompromisse und Anpassung wählen. Er kritisiert scharf die kleinbürgerliche Mentalität, den kulturellen Provinzialismus und die Unfähigkeit der Gesellschaft, sich ihrer eigenen Vergangenheit zu stellen. Sein Hauptaugenmerk richtet sich insbesondere auf politische Illusionen: den Bolschewismus als Ideal, der sich in eine repressive Praxis verwandelt, sowie den jugoslawischen Unitarismus, der neue Spannungen erzeugt. Krleža bleibt links, kritisiert aber jegliche Form von Dogma und ideologischer Verblendung scharf.
Gleichzeitig offenbart sein Tagebuch seinen inneren Kampf. Es ist eine Zeit der persönlichen und künstlerischen Suche, in der er Zweifel an seiner eigenen Kreativität festhält, zukünftige literarische Projekte entwirft und über die Bedeutung von Literatur in einer Welt voller Gewalt und Unsinn nachsinnt. Der Stil ist dicht, fragmentarisch, voller intellektueller Assoziationen und tief emotionaler Töne – eine Verbindung von historischer Reflexion und introspektiver Offenheit.
Krleža schildert den Alltag in Zagreb und im neuen Staat: politische Reden, Caféhausgespräche, kulturelle Zusammenstöße, leere Versprechungen revolutionärer Programme. Man spürt die Erschöpfung einer Generation, die einen sozialen Umbruch erwartet hatte, aber stattdessen eine neue Bürokratie und alte Heuchelei unter neuem Namen vorfand. Genau deshalb trägt das Tagebuch 1918–22 eine starke kritische Note: Es ist nicht nur ein persönlicher Bericht, sondern ein Zeugnis einer Epoche, in der der Idealismus unter der Last der Realität zerbricht.
Dieses Buch ist ein Schlüsseldokument zum Verständnis von Krležas Weltanschauung: seiner Zweifel, seiner moralischen Unruhe und seiner Besessenheit von der Wahrheit. Tagebuch II zeigt, wie einer der bedeutendsten Schriftsteller des jugoslawischen Raums in den Jahren des historischen Umbruchs geformt wurde – und wie dieser Umbruch sein Werk prägte.
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