
Aus großer Zeit
Der Roman zeichnet den Aufstieg einer bürgerlichen Familie während der Kaiserzeit nach und schildert den Ehrgeiz, den Ruf der Familie, die Erziehung und den Alltag der norddeutschen Bourgeoisie in einer Zeit des sozialen Wandels.
Aus großer Zeit von Walter Kempowski ist der erste Teil einer umfangreichen Familienchronik und einer der Schlüsselromane eines Autors, der für seine akribische Schilderung der deutschen bürgerlichen Welt bekannt ist. Im Zentrum steht der Aufstieg einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie im norddeutschen, hanseatischen Umfeld. Der Roman verfolgt nicht nur die einzelnen Familienmitglieder, sondern auch das gesamte Wertesystem, das ihr Leben bestimmt: Arbeit, Ansehen, Disziplin, gesellschaftliche Stellung und streng definierte Familienrollen.
Die Besonderheit des Buches liegt nicht in seinen großen dramatischen Wendungen, sondern darin, wie Kempowski die Epoche anhand der Details des Alltagslebens zeichnet – Erziehung, Sprache, Gewohnheiten, Familienrituale, Einstellung zu Geld, Bildung und sozialem Aufstieg. Durch diese kleinen, präzise eingefangenen Szenen entsteht ein überzeugendes Porträt des deutschen Bürgertums in der Kaiserzeit, einer Welt, die stabil und selbstbewusst erscheint, aber bereits die Spannungen zukünftiger Veränderungen in sich trägt.
Der Roman ist besonders interessant für Leser, die Familiensagen, Gesellschaftsromane und Literatur mit starkem historischem Bezug schätzen, denn er bietet weit mehr als eine klassische Familiengeschichte: Er ist zugleich eine Studie über die Mentalität einer Klasse und eine Darstellung, wie das Privatleben von Ehrgeiz, Konventionen und dem jeweiligen Zeitgeist geprägt wird. Aus großer Zeit besticht durch seine Atmosphäre, Präzision und sein Gespür für den sozialen Kontext und ist somit eine hervorragende Wahl für Liebhaber deutscher Literatur des 20. Jahrhunderts und generationenübergreifender Familienromane.
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